, Basel

2020 Neujahrsempfangvortrag "Kappa - die Wasserkobolde"

Der Japanologe Dr. Ulrich Pauly stellte in einem Vortrag am 16.01.2020 die in Japan bekannte Wasserkobolde Kappa (河童) vor, die sich an Gewässern herumtreiben.

Der Japanologe Dr. Ulrich Pauly stellte in einem Vortrag am 16.01.2020 die in Japan vielfach verehrten und gefürchteten Wasserkobolde Kappa (河童) vor, die sich an Gewässern herumtreiben. 

Kappa sind amphibische Wesen, die Süsswasser bevorzugen. Ihr Habitat sind Flüsse, Bäche, Seen, Quellen und Wasserfälle, aber z.T. auch Bewässerungskanäle für die Reisfelder sowie Sümpfe und saubere künstliche Teiche. Die meisten Menschen, die einen Kappa gesehen und das überlebt haben, so dass sie davon berichten konnten, waren Kinder oder pubertierende Jugendliche. Gelegentlich ist es aber auch zu Kontakten zwischen Kappa und erwachsenen, oft alkoholisierten jungen Männern und Frauen gekommen, die in einem Gewässer badeten oder einfach an ihm entlang gehen wollten. Kappa sind zwischen 60 und 120 cm gross. Sie haben eine schuppige oder fellartige Haut, welche übel riecht und sich schlüpfrig-schleimig anfühlt. Ihr Kopf weist oben eine haarlose, etwa 3-6 cm tiefe mit Wasser gefüllte Delle auf. Ihre Kopfbehaarung gleicht einem struppigen Bubikopf. Das Wasser in der Delle ist eine wesentliche Quelle der Lebenskraft und übernatürlichen Stärke der Kappa und ermöglicht ihnen, als Amphibium auch auf dem Land aktiv zu sein. Schwappt es über, muss es rasch nachgefüllt werden, da der Kappa sonst seine Kraft verliert und sogar sterben kann. Um Kinder vor dem Ertrinken zu bewahren, bedienten sich Väter und Mütter des Kappa aus pädagogischen Gründen gern als Kinderschreck, der unartige Jungen und Mädchen, die sich schon vor Beginn der offiziellen Badesaison heimlich an verbotenen Orten im Wasser vergnügen, gern in einen nassen kühlen Tod zieht.

Die Bedeutung und Beliebtheit des Kappa-Kultes in der Bevölkerung hat auch der buddhistische Klerus Japans nicht ignorieren können. Er erklärte die Kappa daher als wirksame Schutzgottheit gegen Epidemien. Ein Tempel steht an der Kappabashi-dōri (Straße) und ist in 15 Minuten zu Fuss vom Asakusa-Tempel oder vom Bahnhof Tawaramachi aus zu erreichen. Das Gebiet, in dem der Tempel steht, war bis Ende der Edo-Zeit noch landwirtschaftlich genutzt. Da es sehr tief liegt, wurden die Felder oft überflutet. Um dem ein Ende zu bereiten, entschloss sich in der Bunka-Ära (1804-1818) der hier lebende Kappaya Kihachi, der mit der Herstellung von Regenkleidung ein Vermögen gemacht hatte, einen Entwässerungsgraben bis zum Sumida-gawa (Fluss) zu ziehen. Die Arbeit erwies sich als erheblich schwieriger, als gedacht und konnte erst zum Abschluss gebracht werden, als ihm der Kappa Kawatarō, dem Kihachi früher einmal das Leben gerettet hatte, dabei half. Menschen, die den Kappa bei der Arbeit gesehen hatten, war plötzlich Glück im Leben und im Geschäft beschieden. Schon bald nach seinem Tod errichtete man ihm daher dankbar den kleinen Tempel, in dem er bis heute als Kappa-Daimyōjin verehrt wird. Er schützt seitdem die Gläubigen vor Wasserschaden und Ertrinken und sorgt dafür, dass sie in Beruf und Geschäft Erfolg haben, ihre Ehe harmonisch verläuft sowie dass die Mütter eine leichte Geburt und den erhofften Kindersegen haben.

Auch kann man sich vor dem vorzeitigen Tod in einem japanischen Gewässer leicht schützen, wenn man die kulinarischen Vorlieben und die Abneigungen der Kappa kennt. Alle Kappa essen neben ihrem Hauptnahrungsmittel Fisch gern Gurken, Melonen, Auberginen und Lotoskerne. Außerdem trinken sie gern Sake. Ihre Leidenschaft für Gurken geht so weit, dass man sie gelegentlich beim Mundraub in Gurkenbeeten überrascht hat. Manche Bauern werfen daher kurz vor der Ernte Gurken und andere Leckereien in ein nahe gelegenes Gewässer, damit die Kappa sich von ihren Gurkenbeeten fernhalten. Es gibt auch den Brauch, auf die den Kappa geopferten Gurken die Namen seiner Kinder zu schreiben, damit der Kappa weiß, welche Kinder er nicht anrühren soll.

Nach dem Vortrag, wurde das reichhaltige Buffet (mit Gurke) genossen und auf das Neue Jahr angestossen. 

Dr. Ulrich Pauly ist Japanologe. Er hat sich seit 1971 insgesamt rund 20 Jahre in Japan aufgehalten. Sein besonderes Interesse gilt der Volkskunde, dem Volksglauben und der alten Geschichte Japans. Wir danken Herrn Dr. Pauly für den unentgeltlich gehaltenen Vortrag, Karin und Michael Herzog für die Vermittlung, das Sponsoring der Reise und Unterkunft und dem Vorstand für die Organisation. 

Im Namen des Vorstandes, des I.I. Basel-Chapters wünschen wir Gesundheit, viel Glück im Neuen Jahr, mögt Ihr vor Widrigkeiten geschützt sein, viel Freude an einem interessanten Ikebana-Jahr und vielen schönen Begegnungen in Freundschaft auf dem Blumenweg. 

Alle Fotos sind hier zu sehen: https://www.facebook.com/pg/IkebanaBasel/photos/?tab=album&album_id=2643485722591691